schluesselworte

schluesselworte
abgelegt und fortgegangen (c) Dieter Vandory

Mittwoch, 12. Juni 2013

Immer noch

 
 


 

Immer noch

zwischen den Sprachen 
zwischen den Worten 
noch immer 
 
im Niemandsland
 
kreist der Seelenvogel 
über steinernen Gräbern, weiß 
das Gras unter den Akazien 
 
dort
 
wo es schon Sommer singt 
von den leuchtenden Bergen und 
sich die Wasser stürzen 
 
werden die Herbstfeuer noch 
nach Äpfeln schmecken wenn 
du dragoste sagst?
 
 


 
/c/ bild und text: monika kafka, 2013
 

 



Kommentare:

  1. Dass das lyrische Ich nicht das Autoren-Ich ist,
    rufe ich mir immer wieder ins Gedächtnis zurück.

    Aber eine Frau, die auf einen Begriff wie
    "klirrende verlassenheit" kommt,
    weiß um die Angst vor dem Alleinsein.

    Gerade deshalb beglückt mich beim Lesen deiner Texte
    immer wieder die Erkenntnis,
    dass Schreiben für dich in erster Linie Freude bedeutet.

    An anderer Stelle hast du diesen Satz gesagt:
    "echte nähe, wenn man sie denn zulässt, fordert keine selbstaufgabe"
    Ich habe mich sehr gut verstanden gefühlt. Es hat gut getan.

    Als uns tief in Kolumbien ein Polizist anhielt,
    wurde mir schon ein wenig mulmig.
    Aber der junge Mann wollte nur wissen,
    was "amore" auf Deutsch heißt.
    Dreimal haben wir geübt,
    dann sprach er es (fast) akzentfrei.
    Was haben wir gelacht!

    Auch wenn du (nicht nur) zwischen den Sprachen
    immer im Niemandsland bleiben solltest,
    werden die Herbstfeuer nach Äpfeln schmecken.

    Denn ob "dragoste" oder "Liebe",
    die Worte sind nur Beiwerk.
    Kann eine Frau dieses Beiwerk schön ausschmücken,
    nennt man sie eine Künstlerin.


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    1. ob ich tatsächlich eine künstlerin bin, eine , wie isabella des öfteren sagt, mag dahingestellt bleiben, lieber jorge. ich tu, was ich tun muss und das so gut ich eben kann.
      dass ich freude am schreiben habe, das ist unbestritten!

      und das mit dem alleinsein - ja ja - das stimmt wohl schon. schreiben ist eine einsame angelegenheit.
      aber sie wird mannigfach belohnt, durch menschen, die bereit sind, sich damit zu beschäftigen und deren nerv ich treffen kann. dafür bin ich sehr dankbar.

      das hilfskonstrunkt des "lyrischen ich" kam in die literatur, um eben zu große nähe, zu viel identifikation mit dem autor zu verhindern. ganz kann es dadurch dennoch nicht verhindert werden.

      ich halte es da mit kandinsky, der einmal zu gabriele münter gesagt hat "du kannst nur das machen, was in dir selbst gewachsen ist".
      so gesehen ist jedes meiner gedichte ein teil meines selbst, versprachlicht es eigene erfahrungen, empfindungen, die dennoch nicht eins zu eins übertragen werden dürfen. aber du verstehst - mit sicherheit.

      hab dank für deinen sinnigen und mich zutiefst berührenden kommentar!

      monika

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    2. ... eine wortkünstlerin, wie isabella des öfteren sagt ...

      aus irgendeinem grund hat das system das wort "wortkünstlerin" gefressen.

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  2. dragoste ... wie ich dieses wort mag! :)
    sehr atmosphärisches gedicht, viel schwingt hier zwischen den worten ...
    liebe grüße zu dir,
    deine di

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    1. liebe di,

      dragoste ist ein wunderbares wort, es schwingt, es klingt. und hat gleichzeitig etwas melancholisches - durch die betonung auf der ersten silbe, die lang und sehr offen gesprochen wird.

      und - das rumänische hat für unsere liebe gleich drei! worte zur verfügung, die untereinander nicht austauschbar sind.

      dass dieses gedicht zu dir spricht und du hier viel wahrnimmst zwischen den zeilen, liegt sicher auch daran, dass du um meine herkunft weißt, um diese zerrissenheit zwischen den sprachen, den kulturen ...
      denn davon handelt dieser text.

      hab dank!

      herzlich,
      deine mo

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    2. ... wie heißen denn die anderen beiden worte - und was bedeuten sie? und was genau bedeutet dann "dragoste"? wenn das denn so leicht zu beantworten ist, wenn es denn im deutschen nur /ein/ wort dafür gibt.
      fragen über fragen ;)

      nein, mich interessiert einfach sehr, schon immer, wie bestimmte dinge in anderen ländern, kulturen wahrgenommen und versprachlicht werden. es eröffnet einem oft neue blickwinkel!

      liebste grüße,
      deine di

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  3. welch ein tiefes, berührendes ... großartige wortmeisterin du!
    ja, viel ist darin zu finden, so viel.

    alles liebe dir,
    isabella

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    1. liebe isabella,

      auch du weißt! um vieles.
      und den rest kannst du dir aufgrund deiner besonderen sensibilität erfühlen.

      danke, liebe freundin!

      nur gutes für dich,
      deine mo

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  4. In einem Dorf im tiefsten Siebenbürgen, in strikter ethnischer Trennung erzogen - weites Niemandsland zwischen Nachbarn und Kollegen. Für uns gab`s damals nur "Liebe". Es ist sooo schön, dass nun auch "Dragoste" zählt!
    Ein in wunderschöne Worte gefasstes Gedicht, liebe Monika!
    Herrlich!!!

    Liebe Grüße,
    Michael

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  5. Zwischen den Sprachen
    und zwischen den Worten
    findet das Wort "Liebe"
    zumeist offene Pforten.

    Im "Niemandsland", hart am Rand
    wechselnd zwischen den möglichen Welten;
    kreist der Seelenvogel über "Land",
    welches Ungläubige nicht lassen gelten.

    Die fruchtbaren Sommertage swingen
    und von Bergen tosende Wasser stürzen.
    Auf dass bald die Herbsttage uns bringen
    köstliche Äpfel, um trübe Tage zu würzen.

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    1. lieber alfi,

      deine zeilen brechen das schwere meines textes wunderbar auf.

      die swingenden sommertage - ich liebe sie ganz besonders!

      schön, ich danke dir, dass du dir die zeit genommen hast, dir die mühe gemacht hast, auf meine zeilen eine dir entsprechende antwort zu formulieren.
      das ist einfach mehr, als von so manch anderer seite kommt.

      liebe grüße in meine sehnsuchtsstadt wien,
      monika

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    2. Ähemm, ... ein bisschen zuviel des Lobes [verschämtesgrinsen]
      Ganz einfach erklärt: Akzeptanz/Reflektieren/Resonanz: das ist mein "Zutaten-Mix" meiner unaufdringlichen Antworten.
      LG, Alf

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    3. und das ist gut so!
      sehr!

      lg
      monika

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  6. das, was uns geprägt hat, lieber michael, ist wertvoll und kann niemals verloren gehen.
    dabei mag es durchaus unterschiedliches sein, wichtig ist, dass es wertfrei betrachtet wird, es gibt kein gut oder schlecht, und ggf von einem heute aus gesehen einfach nur anders "schmeckt" als "damals".

    ich freu mich sehr, dich und deine kunst, die ja immer ein ausdruck unseres tiefsten inneren ist, bald persönlich kennenzulernen.

    hab dank, lieber künstlerfreund,
    monika

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  7. sehr schön, liebe monika. ich bin zu arm an worten, nachdem ich die kommentare meiner vorgänger(innen) gelesen habe; sie drücken schon all das aus - und noch viel mehr - als ich zu sagen gehabt hätte. also fasse ich mich kurz in meiner anerkennung: der text ist wunderbar!
    herzlichst deine ellix

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  8. liebe ellix, wie schön, von dir hier zu lesen.
    du folgst meinen spuren, stetig, wachsam und das erfüllt mich mit dankbarkeit.

    nur gutes für dich, herzlich,
    deine mo

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